
Erfahrt in der neuen Folge von "Irgendwas mit Steuern", wie Dr. Karsten Webel vom Versicherungsreferenten zum Leiter eines Finanzamts in Hamburg wurde. Er diskutiert Führung, Laufbahnen und Verdienstmöglichkeiten im Finanzamt. Entdeckt, wie flexibel Finanzbehörden wirklich sind!
Heute zu Gast bei Irgendwas mit Steuern: Dr. Karsten Webel. Er leitet ein Finanzamt in Hamburg mit mehreren hundert Mitarbeitenden und hat eine spannende Karriere hinter sich. Hört, wie er als persönlicher Referent der Geschäftsleitung bei einer Versicherung startete und ihn das Interesse an Personalverantwortung schließlich in den öffentlichen Dienst - und damit die Finanzbehörden brachte. Was macht gute Führung aus? Wie sehen die verschiedenen Laufbahnen beim Finanzamt konkret aus? Was sollte man hierfür mitbringen? Welche Verdienstmöglichkeiten eröffnen sich dadurch? Neben Antworten auf diese spannenden Fragen hört ihr in dieser Folge Beispiele direkt aus dem Leben - denn Finanzbehörden sind vielleicht doch nicht so unflexibel, wie manch einer vermutet. Viel Spaß!
Gast: Dr. Karsten Webel (Leiter des Hamburger Finanzamtes)
Moderator: Marc Ohrendorf
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Vielen Dank für die Unterstützung von irgendwas mit Steuern und nun viel Spaß mit dieser Podcast Folge.
Marc: Herzlich willkommen zu einer neuen Episode „Irgendwas mit Steuern“. Mein Name ist noch immer Marc Ohrendorf und heute sitze ich für euch – und ein bisschen auch für mich – im schönen Hamburg und spreche mit Dr. Karsten Webel. Hallo Herr Webel.
Karsten: Hallo Herr Ohrendorf, herzlich willkommen.
Marc: Danke. Sie sind die Amtsleitung eines Finanzamts hier in Hamburg. Ich habe den Begriff betont, weil wir zu Beginn kurz erklären sollten, was der Unterschied zwischen der Amtsleitung und einem Amtsleiter oder einer Amtsleiterin ist.
Karsten: Im normalen Leben muss man das nicht wissen, im Finanzamtsleben – gerade in Hamburg – ist es hilfreich.Die Amtsleitung ist die Leitung eines Finanzamts, früher sagte man Vorsteher oder Vorsteherin. Das hat der Gesetzgeber in der Geschäftsordnung der Finanzämter geändert.In Hamburg gibt es zusätzlich die Besonderheit, dass der Amtsleiter – derzeit männlich – der Leiter der gesamten Steuerverwaltung Hamburg ist. Daher die feine Unterscheidung: der Amtsleiter oben, die Amtsleitung als ihm untergeordnete Leitung eines Finanzamts.
Marc: Wir wollen in dieser Folge den Blick „von oben“ auf das Finanzamt werfen – auch wenn ich gehört habe, dass Sie hier sehr teamorientiert und auf Augenhöhe arbeiten.Damit die Zuhörenden wissen, mit wem sie es zu tun haben, lassen Sie uns kurz über Ihren Werdegang sprechen: Sie sind von Haus aus Jurist.
Karsten: So ist es.
Marc: Wo haben Sie studiert?
Karsten: Ich habe in Kiel studiert.Ich komme ursprünglich aus Hannover, war zwei Jahre bei der Bundeswehr – ebenfalls in Norddeutschland – und war damals Reserveoffizier, bin es formal noch, war aber lange nicht mehr dort. Danach habe ich angefangen, Jura zu studieren.
Marc: Warum Jura?
Karsten: Das ist eine hervorragende Frage. Ich hatte das Glück, gute Schulnoten zu haben – dadurch war die Auswahl groß. In der Schule fiel es mir schwer, mich auf eine Richtung festzulegen, ich fand vieles spannend. Ich habe mich für ganz unterschiedliche Studiengänge beworben: technischen Umweltschutz, Wirtschaftsingenieurwesen und Jura – mit der Idee, Jura mit Wirtschaft zu verbinden.
Meine Erwartung war: Ich bewerbe mich, bekomme Absagen und nehme dann, was übrig bleibt. Am Ende bekam ich nur Zusagen und musste mich selbst entscheiden. Ich bin nicht familiär vorbelastet – in meiner Familie hatte niemand Jura studiert. Nach längerem Überlegen hat mich der starke Mathebezug in manchen anderen Studien abgeschreckt. So bin ich letztlich bei Jura gelandet. Ich wollte das in Kiel studieren – ursprünglich kombiniert mit Sozialökonomie. Relativ schnell stellte sich aber heraus, dass ich einen Schwerpunkt setzen muss. Diesen Schwerpunkt habe ich dann auf Jura gelegt.
Marc: Der Mathebezug ist aber doch eigentlich genau das, was man in Steuerberufen aus juristischer Sicht eher braucht – im Vergleich zu anderen juristischen Tätigkeiten. Aber dafür reicht es vermutlich.
Karsten: Hoffentlich reicht es dafür – das kann ich selbst schlecht beurteilen.Man darf aber nicht übersehen: Wir machen hier nicht viel Mathematik.
Die Grundrechenarten sollte man beherrschen – das bekomme ich gerade noch hin.Darüber hinaus, sofern man nicht selbst als Betriebsprüfer in Großunternehmen unterwegs ist, braucht es meist nicht viel mehr. Auch dort gibt es inzwischen viele elektronische Hilfsmittel.Mit den Grundrechenarten kommt man weit. Kern unserer Arbeit ist die Rechtsanwendung – über alle Laufbahngruppen hinweg.Egal ob man mit Studium einsteigt, eine Ausbildung macht oder ein duales Studium absolviert: Es geht um Rechtsanwendung. Die Kolleginnen und Kollegen im dreijährigen dualen Studium absolvieren im Grunde ein spezifisches Jurastudium für den Bereich Steuerrecht.
Marc: Kommen wir abschließend zum Werdegang noch kurz dazu, wie Sie beim Finanzamt gelandet sind.Sie wollten ja „was mit Wirtschaft“ machen – ein Finanzamt ist zwar in der Nähe, aber nicht das Offensichtliche.
Karsten: Diese Wirtschaftsperspektive habe ich im Laufe der Jahre völlig aus den Augen verloren. Wenn ich ehrlich bin, kam der Wirtschaftsbezug auch eher über meinen Vater. Je älter ich wurde, desto mehr habe ich gemerkt: Das war gar nicht meine Idee. Mein Vater sagte immer: „Junge, mach was mit Wirtschaft, dann wird was aus dir.“
Marc: Was hat er gemacht?
Karsten: Er war Versicherungsvertreter.Seine Vorgesetzten hatten oft Wirtschaft studiert – das war für ihn, Jahrgang 1934, Kriegsgeneration, ein Weg zu materieller Sicherheit. Materielle Sicherheit war ihm sehr wichtig und damit auch für mich.Ich habe mich dann anders entschieden – das hat ihn etwas enttäuscht. Im Studium hatte ich das Wirtschaftsthema kaum noch im Blick. Im ersten Examen habe ich viel Strafrecht und Arbeitsrecht gemacht, im zweiten Examen Verwaltungsrecht.
Da steckt schon Verwaltung drin. Ich war dann zwei Jahre bei einer Versicherung als persönlicher Referent des Vorsitzenden der Geschäftsleitung. Für mich war das eine Fortsetzung des Referendariats mit anderen Mitteln, weil ich im Referendariat nicht in der Wirtschaft war. Ich konnte so in Unternehmen hineinsehen.
Ich war etwa eineinhalb bis knapp zwei Jahre Assistent.Als es um meine Weiterverwendung ging, zeigte sich, dass mein Chef einen anderen Umgang mit Menschen pflegte, als ich mir das wünschte. Wir hatten klar vereinbart, dass ich im Innendienst in der Arzthaftpflicht und Umwelthaftpflicht tätig sein sollte. Dann eröffnete er mir in einem kurzen Gespräch: „Sie gehen jetzt in den Außendienst nach Göttingen.“ Das führte zu einem intensiveren Gespräch.Am Ende sagte er: „Herr Webel, ich will Sie brechen.“ – unausgesprochen: und nach seinem Ebenbild wieder aufbauen.
Marc: Warum hat er das so explizit gesagt?
Karsten: Ich war damals schon etwas älter.Ich hatte zwei Jahre Bundeswehr, das Studium, ein Jahr in den USA mit einem LL.M., dann das Referendariat. Ich habe dort mit 32 oder 33 angefangen; mein Vorgänger war 25. Wenn er zu ihm sagte: „So machen Sie das“, dann hat er es gemacht. Ich war der erste, der sagte: „Nein, das mache ich nicht, das will ich nicht.“Das hat sich hochgeschaukelt bis zu dieser Aussage – und für mich war klar, dass ich kündigen würde. Dann habe ich überlegt: Was machst du jetzt? Mir war wichtig, juristisch zu arbeiten und gleichzeitig Personalverantwortung zu haben.
Wenn man beides will, bleibt fast nur die Verwaltung.Im klassischen juristischen Bereich – Anwalt, Staatsanwalt, Richter – hat man keine Personalverantwortung. In der Wirtschaft arbeitet man meist nicht juristisch, sondern primär in Führungsrollen. Wenn man beides kombinieren will, ist man in der Verwaltung sehr gut aufgehoben.
Gerade in der Steuerverwaltung ist es so: Man hat ein Jahr Einweisung, durchläuft verschiedene Bereiche und macht Unterricht im Steuerrecht – u.a. an der Bundesfinanzakademie in Brühl. Ich nenne das scherzhaft „Steuerrecht für Minderbemittelte“. Nach diesem Jahr bekommt man ein eigenes Sachgebiet. Dann trägt man Verantwortung für – je nach Bereich – etwa 8 bis 20 Kolleginnen und Kollegen.
Marc: Da war jetzt eine Menge drin.Wir sprechen gleich noch über die Organisation eines Finanzamts – das eben war die Sicht des Juristen. Mich interessiert noch Ihre Rolle als persönlicher Referent des Vorsitzenden damals.Das ist – unabhängig vom Fach – für viele Berufseinsteiger eine oft übersehene Position.
Man lernt sehr verschiedene Dinge, muss aber als relativ junger Mensch Probleme lösen, bei denen selbst jemand mit 25 Jahren Berufserfahrung noch zögert.Was hat Sie an dieser Rolle gereizt und was haben Sie daraus mitgenommen?
Karsten: Mein Vater war bei diesem Unternehmen Versicherungsvertreter – ich kannte die Firma seit meiner Kindheit.Es gab also eine fast familiäre Beziehung. Mich reizte, einen Blick auf Probleme zu haben, den ich als Jurist sonst nicht hätte. Im Traineeprogramm haben wir z.B. Außendienstschulungen gemacht, sind mit dem Köfferchen zum Kunden gegangen und haben selbst Versicherungen verkauft.
Das ist für Juristen eine unglaublich interessante und wertvolle Erfahrung.Normalerweise sitzt der Jurist im Büro, die Leute kommen und wollen „Recht haben“ – beim Richter wie beim Anwalt. Selbst zum Kunden zu gehen und zu sagen: „Dieses Produkt brauchen Sie – bitte hier unterschreiben“ – öffnet Horizonte.
Darüber hinaus war ich sehr gespannt darauf, wie ein Wirtschaftsunternehmen funktioniert und wie die Zahnräder ineinandergreifen.Im Nachhinein war das auch deshalb wertvoll, weil der norddeutsche Bereich dieses Versicherungsunternehmens ungefähr die Größe der Steuerverwaltung Hamburg hatte. Ich habe also einmal die freie Wirtschaft und einmal die Verwaltung in ähnlicher Größenordnung erlebt.Dadurch kann ich mir an der einen oder anderen Stelle ein Urteil erlauben. Es ist immer schief, eine Verwaltung mit 3.700 Bediensteten mit einer Kanzlei mit 15 Leuten zu vergleichen.Da kommen sonst unrealistische Erwartungshaltungen zustande.
Marc: Sie wussten dann, dass Sie das Thema Personalverantwortung stark interessiert.Oft kommt das erst später in Karrieren; manche wollen lieber fachlich arbeiten und „müssen“ dann Führung übernehmen. Was hat Sie daran gereizt, von Anfang an Verantwortung für Menschen zu übernehmen?
Karsten: Ich arbeite gern mit Menschen und gestalte gern gemeinsam mit ihnen. Wie jeder gestalte ich meinen Bereich auch gern verantwortlich und nicht nur als „Abnicker“. Natürlich kann ich die Steuerverwaltung Hamburg nicht grundlegend umkrempeln.Auch mein Amt kann ich nur in gewissen Grenzen verändern – es gibt organisatorische Vorgaben.
Trotzdem hat es mich immer gereizt, mit Menschen etwas gemeinsam zu bewegen. In der Rückschau sieht man eine Entwicklung, die mir damals nicht bewusst war.Ich habe jahrelang Handball gespielt, dann den Schiedsrichterschein gemacht. Bei der Bundeswehr war ich Reserveoffiziersanwärter und später in der Ausbildung tätig.Während meiner Promotion habe ich an der Fachhochschule der Polizei in Kiel unterrichtet.
Dort hat man zwar „nur“ eine Gruppe im Unterricht, nicht im Führungssinn – aber man ist dennoch verantwortlich für die Menschen, ihren Lernfortschritt und den Ablauf. Das zeigt eine Linie. Während der Zeit bei der Versicherung wurde diese Richtung verstärkt, weil ich dort auch sah, wie Führung im Unternehmen funktioniert. In der Verwaltung ist das letztlich nicht so anders.
Marc: Da klingt Ihr Verständnis von Führungsverantwortung und Leadership schon an – im Gegensatz zum klassischen „Ich bin der Boss und sage, wo es langgeht“.
Karsten: Dieses „Ich bin der Boss“ ist überhaupt nicht meine Vorstellung.Ich will nicht ausschließen, dass es in der Steuerverwaltung Menschen gibt, die so ticken – aber das ist nicht meine Welt.
Mir ist es für mein Amt extrem wichtig, dass jede Person – ob Sachgebietsleiter, Sachbearbeiter oder Putzkraft – zu mir kommen und Probleme schildern kann.Ich kümmere mich darum; wir sind auf Augenhöhe. Ein Amt funktioniert wie ein Uhrwerk – wie ein größeres Unternehmen auch. Egal welches Zahnrad man herausnimmt: Wenn eines fehlt, funktioniert das Ganze nicht.
Wenn die Putzkräfte ausfallen, entstehen enorme Reibungsverluste und Zeitverluste. Das zeigt sehr klar, dass es nur funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen. Allen muss klar sein, dass ich am Ende die Verantwortung und Entscheidungskompetenz habe. Genauso wichtig ist mir aber, dass niemand unangemessen behandelt wird und alles auf Augenhöhe stattfindet.
Marc: Dann werfen wir einen genaueren Blick auf das Finanzamt.Viele Zuhörende sind im dualen Studium oder überlegen, was sie machen – Berufsanfänger. Geben Sie uns einen Grobschnitt: Welche Laufbahnen gibt es, welche Positionen gehen damit einher – bei rund 340 Mitarbeitenden in Ihrem Amt?
Karsten: Momentan sind es 340. Ich bedaure, dass wir keine Bilder zeigen können – an der Wand hängt eine Übersichtstafel, auf der ich mein Personal plane. Wir haben im Wesentlichen drei Laufbahnen. Erstens den höheren Dienst: Kolleginnen und Kollegen mit Studium – in aller Regel Juristen.Gesetzliche Voraussetzung ist ein Referendariat; ein Wirtschaftsreferendariat wird aber nicht mehr angeboten. Praktisch bleiben daher Juristen.In meinem Amt sind es – mich eingeschlossen – fünf Personen im höheren Dienst.
Marc: Ist das in allen Bundesländern so, dass es in der Finanzverwaltung immer Juristen sind?
Karsten: Weit überwiegend, ja.Es können auch Wirtschaftswissenschaftler sein – dafür bräuchten sie ein Wirtschaftsreferendariat, das kaum noch angeboten wird. Sonst müsste der Gesetzgeber die Vorgaben ändern.Wir hatten in Hamburg auch Amtsleitungen mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund – das war in Zeiten mit Wirtschaftsreferendariat.
Ich fände es gut, wenn wir wieder einige Wirtschaftswissenschaftler hätten.Faktisch ist das im Moment aber kaum möglich. Zweitens den gehobenen Dienst – bei mir die „gelben Kärtchen“ an der Wand.Das sind Kolleginnen und Kollegen mit dualem Studium. Sie absolvieren drei Jahre an der Verwaltungsfachhochschule Steuerrecht.Sie sind danach Diplom-Finanzwirte oder -Finanzwirtinnen.
Sie haben etwa 2.400 Stunden Theorieunterricht, davon über den Daumen rund 1.900 Stunden steuerrechtliche Themen. Sie sind fachlich sehr firm – ich werde sie in meinem Leben nicht mehr einholen. Ihre Tätigkeiten sind breit gestreut: Sachbearbeitung in der Veranlagung, in der Vollstreckung, Betriebsprüfung.Meine Geschäftsstellenleiterin – organisatorisch zentral – kommt ebenfalls aus diesem Bereich, ebenso die Mehrheit der Sachgebietsleitungen.
Wir haben 19 Sachgebietsleiterinnen und -leiter. Davon gehören vier zum höheren Dienst, die übrigen 15 stammen aus dem gehobenen Dienst und haben sich dahin entwickelt. In anderen Finanzämtern gibt es weitergehende Aufgaben – etwa im Strafsachen- und Bußgeldbereich.Dort arbeiten Steuerfahnder oder Kollegen mit staatsanwaltschaftlichen Funktionen.
Marc: Kleiner Hinweis: Es gibt bereits eine „Irgendwas mit Steuern“-Folge zu Steuerstrafrecht – dort erfahrt ihr mehr.
Karsten: Ich kann nur sagen: Es macht richtig Spaß.Wer Freude an Strafrecht hat, dem kann ich es empfehlen. Ich habe die Folge zwar noch nicht gehört – zum Aufnahmezeitpunkt ist sie nicht veröffentlicht –, aber das Arbeitsfeld ist unglaublich spannend. Man hat einen klaren Tatbestand und die ganze Palette strafprozessualer Möglichkeiten.
Drittens haben wir die Laufbahngruppe 1, zweites Einstiegsamt – früher „mittlerer Dienst“.An meiner Tafel sind das die grünen Karten – sie bilden einen großen Teil der Belegschaft. Sie arbeiten etwa in der Veranlagung und Vollstreckungsstelle oder als Kleinstbetriebsprüfer in der Außenprüfung.Sie gehen also ebenfalls „raus“ und prüfen Unternehmen.
Auch im Strafbereich sind Kolleginnen und Kollegen dieser Laufbahn tätig. Das Portfolio ist recht breit. Wir haben vor etlichen Jahren mal gezählt: Für den gehobenen Dienst kamen wir auf rund 50 unterschiedliche Verwendungen in der Steuerverwaltung.Für die Laufbahngruppe 1 waren es etwa 40 verschiedene Verwendungen – in ganz unterschiedlichen Bereichen.
Daneben gibt es noch einige blaue Karten – das sind Angestellte. Das sind relativ wenige, unter anderem aus gesetzlichen Gründen, weil wir Angestellte nicht überall einsetzen können. Wir versuchen es, stoßen aber auch auf Arbeitsmarktfragen: Bekommt man die Menschen mit den passenden Fähigkeiten und Fertigkeiten?
Marc: Was sollte man mitbringen, wenn man im mittleren oder gehobenen Dienst eine Karriere anstrebt?
Karsten: Als erstes: Teamfähigkeit – unverzichtbar. Damit verbunden: Kommunikationsfähigkeit. Man braucht ein gewisses sprachliches Grundverständnis.Niemand muss Gedichte schreiben, aber wir arbeiten ständig mit geschriebenem Recht; damit muss man umgehen können. Hilfreich ist ein klarer, strukturierter Kopf, besonders wenn viel auf dem Tisch liegt.
Kommunikation möchte ich noch aus einem anderen Blickwinkel hervorheben: Wir haben regelmäßig Kontakt zu Steuerpflichtigen.Die klassische Situation „Man geht in jede Amtsstube und spricht vor Ort“ gibt es kaum noch – aber telefonisch und schriftlich gibt es viel Kontakt. Da ist es hilfreich, wenn man gut kommunizieren kann. Man muss aber klar sagen: Mittlerer und gehobener Dienst durchlaufen eine Ausbildung bzw. ein duales Studium.Große Teile davon finden im Amt statt. Wir erwarten nicht, dass jemand von Anfang an „fertig“ ist.Entscheidend sind Teamfähigkeit und die Bereitschaft, sich mit den Themen auseinanderzusetzen.
Marc: Spielen Schulnoten eine große Rolle?
Karsten: Schulnoten sind – wie meist – das erste, worauf man schaut. Sie sind aber nicht von eklatanter Bedeutung. Der Arbeitsmarkt wirkt: Die Zahl der Schulabgänger sinkt, der Bedarf steigt. Es ist nicht so, dass wir große Teile allein nach Noten aussortieren. Ein Hinweis: Der Anteil der Abiturienten ist heute hoch.Früher war die Regel: Laufbahngruppe 1 (mittlerer Dienst) mit Realschulabschluss, Laufbahngruppe 2 (gehobener Dienst) mit Abitur.
Diese Regel stammt aus einer Zeit, als etwa 25% eines Jahrgangs Abitur machten.Heute liegen wir in Hamburg bei über 50%. Damit funktioniert die einfache Zuordnung nicht mehr.Inzwischen hat der weitaus größte Teil derjenigen, die im mittleren Dienst anfangen, Abitur. Es findet eine gewisse Differenzierung statt.Wir schauen: Trauen wir den Bewerbenden das duale Studium zu?
Ich habe großen Respekt vor den Kolleginnen und Kollegen, die es absolvieren.Es ist anspruchsvoll; man muss Zeit und „Gehirnschmalz“ investieren. Es hilft niemandem, Menschen in das duale Studium zu schicken, bei denen man von Anfang an Zweifel hat.Das wäre für alle frustrierend. An dieser Stelle haben Noten einen Sinn – als Indikator.Aber sie sind nicht der kriegsentscheidende Faktor.
Marc: Heißt das umgekehrt, dass man – statistisch – gute Chancen hat, das duale Studium zu schaffen? Oder ist die Abbrecherquote hoch?
Karsten: Man hat insgesamt relativ gute Chancen. Die Abbrecherquote variiert von Jahrgang zu Jahrgang – warum, kann ich nicht genau sagen. Es gibt Abbrecherquoten von bis zu 20%, teils etwas mehr. Ein Teil verlässt uns freiwillig, einige fallen durch Prüfungen. Oft bleiben sie schon in der Zwischenprüfung hängen – die findet nach einem Jahr statt.Der zeitliche Verlust ist dann noch begrenzt. Es wäre falsch, zu leugnen, dass Menschen „verloren gehen“ – das passiert.Aber das liegt daran, dass es keine einfache Ausbildung ist.
Marc: Und es gibt andere Prüfungen wie das Steuerberaterexamen mit 50% Durchfallquote.
Karsten: Genau.
Marc: Da ist das hier noch relativ human.
Marc: Sonst würden ohnehin Zuschriften kommen: Was verdient man im Anschluss?
Karsten: Ich kann die konkreten Zahlen nicht auswendig nennen.Wir sprechen über Einstiegsgehälter mit den Besoldungsgruppen A 6 und A 9. A 6 für die Kolleginnen und Kollegen im mittleren Dienst, A 9 für den gehobenen Dienst.Das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich – die Tabellen findet man leicht im Internet.
Marc: Bitte schaut an der Stelle selbst, auch weil wir nicht wissen, aus welchem Bundesland ihr zuhört – und denkt beim Gehaltsvergleich daran, dass ihr andere Abgaben und andere Altersvorsorge habt als in der Privatwirtschaft.
Karsten: Genau, das sind wichtige Hinweise. In Hamburg stehen Tarifverhandlungen an – wie in anderen Bundesländern.Man wird sehen, was sich tut – die Gewerkschaften haben stark mobilisiert.
In einigen Bundesländern sind die Einstiegsämter inzwischen A 7 und A 10.Man muss aber schauen, was sich dahinter konkret in Euro verbirgt. Mancherorts entspricht das, was ein Land in A 6 zahlt, dem A-7-Niveau eines anderen Landes. Die Bezeichnung ist weniger wichtig als die tatsächliche Zahl.
Marc: Gehen wir noch etwas darauf ein, was Sie den ganzen Tag machen – damit man sich ein Bild machen kann.Sie haben ein schönes, großes Eckbüro, aber ich frage jetzt mal frech: Was machen Sie hier eigentlich den ganzen Tag?
Karsten: Diese Frage stellen sich wahrscheinlich einige Leute.Ein großer Teil ist klassische Leitungsarbeit: Personal, Organisation, strategische Ausrichtung und die Schnittstelle zur Steuerverwaltung insgesamt.

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