Digitalisierung in Steuerkanzleien: Die Zukunft der Steuerberatung?

Digitalisierung in der Steuerbranche
Digitalisierung in der Steuerbranche – modernes Team mit Tablets und Laptops vernetzt sich digital. Effiziente Prozesse, Automatisierung und innovative Steuerberatung im digitalen Zeitalter.

Wenn selbst das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) eine Digitalisierungsstrategie vorstellt, wird zunehmend deutlich: Die Digitalisierung ist längst in allen Lebensbereichen angekommen und macht auch vor der Steuerbranche nicht Halt.

Alles wird digitaler und dadurch auch effizienter, einfacher, transparenter. Aber auch besser? In diesem Artikel zeigen wir Ihnen die Entwicklungen in der Steuerbranche.

Digitalisierung in der Steuerbranche: Chance oder Risiko?

Die Digitalisierung bietet für Dienstleister wie Steuerberater* große Chancen. Dennoch hinkt die Steuerbranche hinterher – sie hat enormen Wandlungsbedarf. Viele Steuerkanzleien scheinen überfordert mit den neuen Möglichkeiten, wissen nicht wo anzufangen ist oder haben sogar Angst vor den Risiken dieser Änderungen. 

Fakt ist: Neue Software und innovative Arbeitsweisen sind ressourcenschonend, effizient und entlasten Mitarbeiter. 

Durch digitale Prozesse werden zeitliche Ressourcen frei – Zeit, die in Mandatsarbeit investiert werden kann. Um diese Vorteile genießen zu können, müssen sich Steuerberater neuen Anforderungen stellen und grundlegende Kenntnisse zu Datenschutz und Technologien erwerben.

Digitale Steuerberatung: Die Steuerbranche neu denken

In den nächsten 20 Jahren wird die Arbeit, wie wir sie heute kennen, nicht mehr existieren – das sagen zumindest Zukunftsforscher und Branchenexperten. Insbesondere Tätigkeiten, die im Büro stattfinden, steht ein großer Wandel bevor. Alle Bereiche und Aufgaben, die digitalisierbar sind, werden digital ablaufen, im Zweifel sogar automatisiert dank künstlicher Intelligenz (KI). 

Dadurch wird sich auch – oder insbesondere – die Arbeitsweise von Steuerberatern ändern. Der Fokus entfernt sich von bloßer Buchhaltung und bewegt sich hin zu einem umfassenden Service für Mandanten. Denn auch die Anforderungen der Mandanten an Steuerkanzleien hat sich verändert. Für den einzelnen Steuerberater bedeutet das mehr Service-Orientierung, mehr Analyse und Auswertung vorhandener Daten, weniger bloßes Abarbeiten von Aufgaben.

Wer das frühzeitig erkennt und umsetzt, kann einen großen Wettbewerbsvorteil für sich gewinnen. In Zukunft wird es für Sie als Steuerberater essenziell sein, über den steuerrechtlichen Schwerpunkt hinaus die betrieblichen Prozesse Ihrer Mandanten zu optimieren, ihre Bedürfnisse zu verstehen und diese mit digitalen Lösungskonzepten langfristig zu unterstützen. 

Durch Weiterbildungen haben Steuerberater die Möglichkeit, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu erweitern und die Qualität ihrer Dienstleistungen zu steigern, indem sie diese auf ein zeitgemäßes Niveau heben.

Nachwuchs in der Steuerbranche: So begeistern Sie die Next Gen

Mit digitalen Lösungen und neuen Angeboten können Sie nicht nur potenzielle Mandanten begeistern, sondern auch für den Nachwuchs in der Steuerbranche interessant bleiben.

Der Nachwuchsmangel in Steuerkanzleien ist längst kein Geheimnis mehr. Zwar verzeichnete die Bundessteuerberaterkammer zuletzt einen leichten Zuwachs der Kammermitglieder, dennoch bleibt der Fachkräftemangel ein Thema für die Lebensrealität vieler Steuerkanzleien. 

Die Gesamtanzahl an ausgebildeten Steuerberatern ist im vergangenen Jahr leicht angestiegen und auch der Frauenanteil hat sich vergrößert. Allerdings leidet die Steuerbranche nach wie vor unter ihrem verstaubten Ruf.

Steuerberater der nächsten Generation haben ganz andere Vorstellungen von Arbeit: Statt von 8 bis 17 Uhr im Büro Aktenberge von links nach rechts zu schieben, fordern junge Steuerberater unter anderem …

  • Dass sie sich ihre Arbeitszeit frei einteilen und zeitlich flexibel bleiben zu können, 
  • Dass sie den Beruf mit der Familie oder anderen sozialen Verpflichtungen verbinden können,
  • Im Homeoffice zu bleiben, ortsunabhängig zu arbeiten oder zumindest von einem Hybrid-Modell zu profitieren und
  • Vorwiegend digital und somit papierlos zu arbeiten.

Die Digitalisierung bietet hier viele Chancen, den Nachwuchs nach der Ausbildung oder dem Studium für sich zu gewinnen. Auch Steuerkanzleien profitieren von einer flexiblen, ortsunabhängigen Arbeitsweise, indem sie von jedem Gerät aus Dokumente einsehen und Mandanten betreuen können. 

Diese neuen Anforderungen an Arbeitgeber kommen oft mit Verzweiflung, Frustration, Unverständnis und Überforderung einher. Aber sie bieten auch die einmalige Gelegenheit, eine Steuerkanzlei der Zukunft zu werden und die Wünsche von Mitarbeitern und Mandanten zu erfüllen.

Klartext: Verpassen Sie diese Gelegenheit nicht! Nicht nur für die personelle Zukunft Ihrer Steuerkanzlei kann es sinnvoll sein, angehende Steuerberater auszubilden oder junge Steuerberater anzuheuern. Auch für den betrieblichen Fortschritt ist es hilfreich, junge Menschen im Team zu haben, die eine ganz andere Perspektive auf das Arbeitslebe mitbringen.

Bleiben Sie offen für neue Ideen und zögern Sie nicht, diese in Ihrer Kanzlei umzusetzen und die Ergebnisse auszuwerten. Digital Natives, die mit der Digitalisierung bestens vertraut sind, können Ihnen zudem bei der Umstrukturierung Ihrer Kanzlei unter die Arme greifen. 

TaxTech-Startups: Eine Konkurrenz für Steuerkanzleien?

Unternehmen wie Felix1, Mastertax oder Taxfix machen es vor: All diese Startups wurden in den letzten Jahren gegründet und digitalisieren die Steuerbranche – unabhängig davon, ob die Steuerkanzleien letztlich mitziehen oder nicht. 

In den vergangenen Jahren gab es viele spannende Gründungen im Bereich des Steuerwesens. Ein paar Beispiele:

  • Innerhalb der Taxfix-App werden durch gezielte Frage-Antwort-Spiele Steuererklärungen für Nutzer erstellt. Das System führt Laien dabei Schritt für Schritt durch die Anwendung – ganz ohne persönlichen Kontakt.
  • Felix1 verknüpft wesentliche Elemente der Steuerberatung mit Online-Angeboten und macht Steuerthemen für die Allgemeinheit greifbar. Neben engagierten Steuerberatern, die Mandanten individuell zugewiesen werden, steht ein umfassender Kundenservice ihnen mit Rat und Tat zur Seite. 
  • Dazu können in vielen Tools verschiedene Dienstleistungspakete oder kostenpflichtige Funktionen unkompliziert hinzugebucht werden. 

Solche innovativen Lösungen zeigen: Steuern und Digitalisierung schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten für Steuerkanzleien und lässt sich zudem mit anderen Dienstleistungen verknüpfen.

Was bedeutet das nun konkret für Ihre Steuerkanzlei? Apps wie Taxfix können nur ganz einfache Steuererklärungen von Arbeitnehmern bearbeiten. Bei allen anderen Leistungen empfehlen sie ausdrücklich den Gang zum Steuerberater. 

Damit wird Ihnen als Steuerberater nicht die Arbeit abgenommen – im Gegenteil, Sie können sich ebenfalls digital aufstellen und um eine Zusammenarbeit bemühen, von der beide Seiten profitieren. 

Lexoffice & Co. – Digitale Tools für Steuerberater

Über innovative Tax-Startups hinaus gibt es auch eine Vielzahl von Tools, die Steuerkanzleien in ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Dabei übernehmen die Tools repetitive Aufgaben (z.B. Buchhaltung, Bankabgleiche, Kassenbücher) und stellen eine häufig auch eine direkte Verbindung zum ELSTER-Portal her.

Die Vorteile auf einen Blick: 

  • Einige Tools bieten die Möglichkeit, Verknüpfungen zwischen Mandanten und Steuerberatern herzustellen. So können die Daten, die der Mandant erfasst oder einträgt, vom Steuerberater direkt eingesehen werden. 
  • Durch die digitale Übermittlung von Daten auf diesem oder anderem Wege kann die Zusammenarbeit zwischen Mandanten und Steuerberatern erleichtert werden.
  • So können die Arbeitszeiten und Arbeitsweisen viel variabler und flexibler gestaltet werden. 

Fazit

Wie die meisten Branchen befindet sich auch die Steuerbranche in einem großen Wandel. Wer die Entwicklungen frühzeitig umsetzt, kann sowohl den Nachwuchs für sich gewinnen als auch Mandanten langfristig an sich binden. 

Es gilt, Prozesse zu durch Digitalisierung oder Automation zu vereinfachen und auf diese Weise mehr zeitliche Ressourcen freizugeben. Diese können in gute Mandatsarbeit investiert werden.

* Um den Text leicht verständlich und unkompliziert zu halten, haben wir uns für die Nutzung des generischen Maskulinums, also der männlichen Form aller Hauptwörter, entschieden. Wir möchten aber niemanden ausschließen und weisen deshalb darauf hin, dass trotz der männlichen Form alle Geschlechter gemeint sind.

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