Wirtschaftsprüfer-Examen: Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Zulassungsbedingungen für das Examen zum Wirtschaftsprüfer
Business Mann sitzt auf einer Bank im Außenbereich eines Bürogebäudes und schaut in seinen Laptop.

Der Weg zum Wirtschaftsprüfer ist anspruchsvoll, aber lohnend! Erfahre hier, welche Voraussetzungen Du erfüllen musst, wie das Examen abläuft und wie Du Dich optimal darauf vorbereitest. Mit unseren Tipps erreichst Du Dein Ziel und startest in eine erfolgreiche Karriere im Steuer- und Finanzwesen.

Nicht jeder Beruf ist mit einer Ausbildung oder einem Studium zu erlernen. Beim Wirtschaftsprüfer beispielsweise musst Du nach einem Studium oder einer Ausbildung noch zusätzlich das Wirtschaftsprüfer-Examen bestehen, um Deinen Traumjob zu erreichen. Und dieser Weg ist alles andere als schnell gegangen! 

Dennoch lohnt es sich, insbesondere, wenn Du den Traum des Wirtschaftsprüfers schon lange hast. Hast Du das Ziel erst einmal erreicht, so bist Du an der Spitze der Berufe in der Steuerbranche angekommen. Was Du dafür brauchst und welche Voraussetzungen Du für das Wirtschaftsprüfer-Examen erfüllen musst, erfährst Du in diesem Beitrag von uns. 

1. Wie sieht der Berufsalltag eines Wirtschaftsprüfers aus?

Wirtschaftsprüfer arbeiten meist in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder sind selbstständig. Aber auch in Steuerkanzleien sind sie ab und an zu finden. Das liegt daran, dass Wirtschaftsprüfer eine Art Pendant zum Steuerberater sind. Während Steuerberater Tätigkeiten wie Steuererklärungen und Steuerbescheide prüfen und erstellen, sind Wirtschaftsprüfer mit den Jahresabschlüssen und Bilanzen eines Unternehmens betraut. 

Sie übernehmen dazu noch viele beratende Tätigkeiten zur finanziellen und betriebswirtschaftlichen Situation eines Unternehmens. Dazu zählt auch die Beratung zu Steuerangelegenheiten oder der Kreditwürdigkeit von Unternehmen, die zum Beispiel gekauft werden sollen. 

2. Welche Voraussetzungen brauche ich für das Examen?

Wie Du sicher schon weißt, musst Du einige Voraussetzungen erfüllen, um Wirtschaftsprüfer zu werden. Denn der Beruf kann nicht mit einer klassischen Ausbildung oder einem Studium erreicht werden. Es gibt verschiedene Schritte und Möglichkeiten, Wirtschaftsprüfer zu werden - alle führen über das Wirtschaftsprüfer-Examen. 

Folgendes musst Du dabei wissen: 

Formelle Voraussetzungen

Als angehender Wirtschaftsprüfer hast Du viele verschiedene Möglichkeiten, das Wirtschaftsprüferexamen zu absolvieren. Wichtig ist vor allem, dass Du eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium vorweisen kannst. Wirtschaftsprüfer ist in dem Sinne keine Erstausbildung, sondern eine Weiterbildung in einem bestehenden Beruf. 

Deine Berufsausbildung kannst Du zum Beispiel als Steuerfachangestellter absolvieren. Auch Weiterbildungen wie zum Steuerfachwirt oder Buchhalter sind gerne gesehen. Möchtest Du lieber studieren, bietet sich vor allem ein Studium in Jura oder BWL an. Es gibt aber auch andere Studiengänge mit Schwerpunkt Wirtschaftsprüfung und Steuern. Schau dazu gerne in unserem Beitrag Steuerberater vorbei, hier gibt es mehr Informationen. 

Hinzu kommt immer eine gewisse Berufserfahrung, die benötigt wird, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Folgende Regeln gelten dabei: 

  • Abgeschlossene Ausbildung: 10 Jahre Berufserfahrung
  • Abgeschlossene Ausbildung + Weiterbildung: 5 Jahre Berufserfahrung
  • Abgeschlossenes Studium (Bachelor): 4 Jahre Berufserfahrung
  • Abgeschlossenes Studium (Master): 3 Jahre Berufserfahrung

Persönliche Voraussetzungen

Bei Deiner Anmeldung zum Wirtschaftsprüfer-Examen prüft selbstverständlich niemand Deine persönliche Eignung. Wir möchten aber, dass Du den richtigen Berufsweg für Dich wählst und stellen Dir deshalb einige Eigenschaften dar, die Du mitbringen solltest, um erfolgreich und mit Spaß den Beruf des Wirtschaftsprüfers auszuüben. Folgende Eigenschaften sind dabei von Vorteil: 

  • Verantwortungsbewusstsein
  • Sorgfältigkeit und Genauigkeit bei der Arbeit 
  • eine gute Sozialkompetenz 
  • Du arbeitest gerne mit Menschen und beantwortest Fragen 
  • Du bist gut in Mathe 
  • Du hast ein Verständnis für Zahlen und Wirtschaft 

Übrigens: Immer mehr Arbeitgeber sehen im Bewerbungsverfahren ein Assessment-Center oder einen ähnlichen Eignungstest vor. Daher kann es auch für Deine späteren Jobchancen von Vorteil sein, gewisse Anforderungen zu erfüllen. 

3. Wirtschaftsprüfer werden: Was muss ich im Examen können? 

Die Prüfung zum Wirtschaftsprüfer besteht aus 4 Teilgebieten, das sind Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Prüfungswesen und Unternehmensbewertung sowie BWL/VWL. In diesen Bereichen solltest Du in jedem Fall fit sein. 

Wichtig zu wissen ist, dass es sich nicht um Wissens-Klausuren handelt, sondern Du Fälle lösen musst. Das heißt, Du bekommst einen Sachverhalt, den Du dann lösen musst, so wie Du es in Deinem Beruf auch tun würdest. Wenn Du Jura studierst oder studiert hast, kennst Du das bereits. 

Zusätzlich gibt es noch eine mündliche Prüfung, bei der Du einen Vortrag halten musst und dann Fragen aus allen Gebieten gestellt werden können. Erst wenn Du diese Prüfungen alle bestanden hast, kannst Du von der Wirtschaftsprüfungs-Kammer zugelassen werden. 

4. Wie bereite ich mich am besten vor?

Weil Wirtschaftsprüfer keine klassische Ausbildung ist, gibt es im Grunde auch keinen richtigen oder falschen Weg, sich auf die Prüfung vorzubereiten. Von Selbststudium bis zu Vollzeit-Schulungen ist alles möglich. 

Es gibt auf dem Markt viele Anbieter, die Dich bei der Vorbereitung unterstützen und Kurse zur Vorbereitung oder Material und Unterlagen anbieten. Das ist natürlich sinnvoll, weil Du so sicher sein kannst, den kompletten Stoff vermittelt zu bekommen. Dennoch kommt es voll und ganz auf Deinen Lerntyp und Dein Leben an, wie und in welcher Zeit Du die Vorbereitung absolvierst. In der Regel geht es hier um etwa 12 Monate, die Du investieren solltest. 

Wenn Du weiterhin Vollzeit arbeitest, bieten sich vor allem Abend- oder Wochenendkurse an. Vielleicht hast Du aber auch die Möglichkeit, Deine Stunden zu reduzieren oder Ähnliches. Mehr Tipps zum inhaltlichen Lernen der doch sehr umfangreichen Stoffmenge findest Du in unserem Beitrag zur Steuerberaterprüfung, die ähnlich abläuft. 

5. Fazit

Der Weg zum Wirtschaftsprüfer ist lang und mit vielen verschiedenen Zwischenschritten verbunden. Du musst also in jedem Fall geduldig sein und dran bleiben. Das hat aber auch Vorteile: Durch die verschiedenen Schritte von Ausbildung, Studium und Weiterbildungen sammelst Du wichtige Berufserfahrung. Und vielleicht ist auch schon unterwegs Dein Traumberuf dabei! Mach Dir also bewusst: Der Weg ist das Ziel. Bleib auf jeden Fall dran, wir glauben ganz fest an Dich! 

Auch interessant

Mit KI durch den Kanzlei-Alltag: Diese Funktionen solltest du kennen

Mit KI durch den Kanzlei-Alltag: Diese Funktionen solltest du kennen

KI steckt längst in vielen Kanzleiprogrammen – oft, ohne dass du es merkst. In diesem Beitrag lernst du fünf konkrete KI-Funktionen kennen: von DATEV über ADDISON und Agenda bis Finmatics. Du erfährst, was die Tools können, wie sie dir Zeit sparen und worauf du beim Arbeiten damit achten solltest – gerade als junge Steuerfachkraft.

Mehr lesen
KI in der Kanzleisoftware: So hilft sie dir im Kanzlei-Alltag

KI in der Kanzleisoftware: So hilft sie dir im Kanzlei-Alltag

KI ist in vielen Kanzleiprogrammen längst eingebaut – in der Belegverarbeitung, in der Buchführung, im Lohn und in Assistenzfunktionen. Sie nimmt dir Routinearbeit ab und hilft, Fehler zu vermeiden, ersetzt aber nie dein Fachwissen.

Mehr lesen
Die größten Fehler bei der KI-Tool-Auswahl in der Steuerkanzlei

Die größten Fehler bei der KI-Tool-Auswahl in der Steuerkanzlei

Beim Einkauf von KI-Tools werden Datenschutz, Eignung und Integration häufig unterschätzt. Dieser Beitrag zeigt dir typische Fehler – und woran du erkennst, ob ein Tool wirklich zu eurer Kanzlei passt.

Mehr lesen
So baust du deinen eigenen KI‑Assistenten für die Kanzlei – ganz einfach mit CustomGPTs

So baust du deinen eigenen KI‑Assistenten für die Kanzlei – ganz einfach mit CustomGPTs

CustomGPTs sind individuelle KI‑Chatbots, die auf bestimmte Aufgaben spezialisiert sind. Zum Beispiel kann ein CustomGPT für dein Kanzlei‑Wiki Antworten auf häufige Fragen geben – etwa, was bei einer Mandatskündigung zu beachten ist. Der Clou: Du kannst solche Bots selbst erstellen und mit Kolleg:innen teilen, ohne Programmierkenntnisse.

Mehr lesen
Rechtliche Fallstricke beim KI-Einsatz in der Steuerkanzlei

Rechtliche Fallstricke beim KI-Einsatz in der Steuerkanzlei

KI ist in der Steuerberatung erlaubt – aber nur innerhalb klarer rechtlicher Grenzen. Dieser Beitrag erklärt dir in einfacher Sprache, welche Vorgaben aus Berufsrecht, DSGVO und EU-KI-Recht für deinen Alltag relevant sind.

Mehr lesen