Prof. Dr. Fink im Interview: Wenn die Praxis die Theorie verständlicher macht

Ein neuer Studiengang an der Hochschule RheinMain - was hat es damit auf sich?
Prof. Dr. Fink im Interview: Wenn die Praxis die Theorie verständlicher macht

An der Hochschule RheinMain in Wiesbaden wurde gerade ein neuer dualer Studiengang für Steuerrecht akkreditiert, der im Wintersemester 2026/2027 startet. Der Studiengangsleiter für Business & Law in Accounting and Taxation, Prof. Dr. Christian Fink, erklärt, weshalb es Bedarf gab und stellt die Besonderheiten vor.

Herr Prof. Dr. Fink, weshalb haben Sie einen neuen dualen Studiengang initiiert – gibt es nicht schon genügend passende Angebote?

Prof. Dr. Christian Fink: Tatsächlich kam der erste Anstoß für unser neues Angebot von der Steuerberaterkammer Hessen. Dort hatten große wie kleinere Kanzleien Bedarf angemeldet, sie wünschten sich eine praxisnähere Ausbildung als es im rein akademisch geprägten Fach ‚Steuerrecht‘ an den Hochschulen und Universitäten der Fall ist.

Weshalb?

Prof. Dr. Fink: Es hilft in der Anwendungspraxis nur begrenzt weiter, mit einem rein akademischen Ansatz an die Dinge heranzugehen. Denn es macht einen Unterschied, ob ich die entsprechenden IT-Systeme bereits kenne und zum Beispiel einen Buchungssatz anlegen kann, oder ob ich nur Paragraphen und Erlasse theoretisch gelernt, allerdings noch keine Idee von der praktischen Umsetzung dieses Wissens habe. Das war eine der zentralen Anforderung des Marktes.

Hinzu kommt ein verändertes Studienverhalten: Die jungen Leute kellnern heute nicht mehr vorzugsweise, um Geld zu verdienen, sondern sie wollen die notwendigen Mittel durch eine Tätigkeit in ihrem künftigen Berufsfeld erwirtschaften. Das geht zwar theoretisch auch über Werkstudententätigkeiten oder Praktika, ein duales Studium aber ist i.d.R. besser bezahlt.

Wie funktioniert das genau – es ist zunächst ein Arbeitsvertrag notwendig, oder?

Prof. Dr. Fink: Ja. Studieninteressierte, die sich bei uns bewerben, müssen im Vorfeld einen Arbeitsvertrag mit einer unserer Kooperationskanzleien abschließen. Das sind derzeit gut 25 Stück in allen Größenordnungen. Es kommen aber stetig neue Gesellschaften dazu. Anschließend erfolgt die Bewerbung über unser online-Bewerbungsportal, normalerweise bis zum 15. Juli eines jeden Jahres für den Start zum Wintersemester.

Eine Bewerbung für dieses Jahr ist also noch möglich?

Prof. Dr. Fink: Natürlich, wir selbst haben mit der Bewerbungsphase für das Wintersemester noch nicht begonnen, unsere Partnerunternehmen aber führen meist schon länger ihre Bewerbungsverfahren durch.

Welche Inhalte schätzen Sie als besonders praxisnah an Ihrem Studiengang ein?

Prof. Dr. Fink: Insgesamt sind unsere Studieninhalte sehr stark anwendungsbezogen aufgesetzt. Das gilt in besonderem Maße für die Lehre in den steuerlichen und rechungswesensbezogenen Modulen. Darüber hinaus bieten wir im neuen Studiengang zwei Vertiefungsmöglichkeiten an, einmal 'International Tax' und dann 'Tax Compliance und Erbschaftsteuer'. Während sich der erste Schwerpunkt für all diejenigen besonders eignet, die bei den verstärkt international tätigen Big Four oder Next Ten beschäftigt sind, bildet 'Tax Compliance und Erbschaftsteuer' klassische Mittelstandsthemen ab.

Wie würden Sie den Hauptvorteil Ihres Studiengangs für die Studierenden auf den Punkt bringen?

Prof. Dr. Fink: Der wichtigste Vorteil ist, dass die Theorie des Steuerrechts durch die praktische Anwendung viel verständlicher wird als wenn man nur anhand von Skripten und Vorlesungen lernt. Man hat einen ganz anderen Zugang zu Dingen, die man schon einmal bei einem Mandanten angewandt hat. Das gilt während des Studiums; danach sind Sie natürlich ganz anders einsatzfähig, als jemand, der mit nur theoretischem Wissen frisch von der Hochschule oder Universität in eine Kanzlei kommt.

Für wen ist Ihr Studiengang ganz besonders geeignet?

Prof. Dr. Fink: Wir haben hier viele Studierende, die familiär vorgeprägt sind, also deren Eltern oftmals bereits eine eigene Kanzlei besitzen oder auf sonstige Art in der Steuerberatung arbeiten. Hinzu kommen etliche, die tiefes intrinsisches Interesse am Thema 'Steuern' haben. Besonders attraktiv sind wir auch für Leute mit Steuerfachangestelltenausbildung, die durch unser duales Studium nach nur drei Jahren zusätzlicher Berufspraxis direkt ins Steuerberaterexamen gehen können.

Lassen Sie uns kurz noch einmal auf die Details eingehen – wie läuft der Studiengang ab?

Prof. Dr. Fink: Es ist ein Intensivstudiengang über sechs Semester. Dabei wechseln sich 26 Wochen Praxis mit 26 Wochen Lehre in jeweils 2 Theorie- und 2 Praxisphasen ab, nicht immer ganz exakt in gleichen Zeitzyklen, aber im Wesentlichen. Auch die Praxisphasen werden mit Credits bepunktet, so dass es in den sechs Semestern insgesamt 210 Credits gibt. Fachlich sind wir sehr gut aufgestellt, mit einer Rechnungswesensprofessur, die ich bekleide, zwei Kollegen mit einem steuerlichen Schwerpunkt sowie Unterstützung unserer Wirtschaftsjuristen am Fachbereich. Ziel und Versprechen ist eine wirklich sehr stark praxisorientierte Lehre, gepaart mit dem regelmäßigen fachbezogenen Einsatz im Kooperationsunternehmen.

Hier geht's zur Website des neuen Studiengangs:

https://www.hs-rm.de/wiesbaden-business-school/studiengaenge/dual/steuerrecht-dual

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