
Teilzeit wird ein immer beliebteres Arbeitsmodell, vor allem in gutbezahlten Berufen. Dazu zählen auch die meisten Jobs in der Steuerbranche - aber ist Teilzeit eigentlich ein Karriere-Killer oder ein Modell der Zukunft?
Im Jahr 2025 hat sich die Teilzeitquote in Deutschland auf ein neues Hoch begeben: 39,9 Prozent der Erwerbstätigen befinden sich in Teilzeit. Für die Steuerbranche gibt es keine genauen Zahlen, aber hat eine Teilzeit-Tätigkeit wirklich negative Auswirkungen auf die Karriere?
Teilzeit, Work-Life-Balance und Homeoffice sind längst auch – wenngleich nicht überall – in der Steuerbranche angekommen. Nachweislich steigern diese Arbeitsbedingungen die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Es führt ebenfalls dazu, dass die nachfolgenden Generationen mit mehr Zuversicht auf ein gesundes Arbeitsleben auf die Branche schauen.
Gerade daher nutzen moderne Kanzleien dies aktiv als Recruiting-Methode. Daraus lässt sich schließen: Teilzeit beziehungsweise Work-Life-Balance ist im Markt angekommen – aber kulturell noch nicht überall akzeptiert.
In einer Branche, die von hoher Belastung und harten Deadlines lebt, kann die mentale Gesundheit schnell unter Mitleidenschaft gezogen werden. Teilzeit reduziert diese Belastung spürbar, gerade in der Hochsaison der Steuerberatung kann dies ein echter Gamechanger sein.
Neben der höheren Effizienz durch zufriedene Mitarbeitende, haben diese die Chance ihre Zeit für Familie, Weiter- und/oder Fortbildungen parallel gut zu nutzen. Auch in der Kinderbetreuung oder generell im Privatleben ist dies ein riesiger Vorteil. Teilzeit wird also bewusst eingesetzt, um langfristig im Beruf zu bleiben.
In Zeiten des akuten Fachkräftemangels kann dies auch für Kanzleien ein Booster sein. Teilzeitmodelle steigern die Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt.
Nur Vorteile kann Teilzeit jedoch nicht bringen. Weniger Sichtbarkeit hängt zumeist mit einer langsamen Karriere zusammen. Wer in der Karriereleiter aufsteigen will, hat in Teilzeit gleich mehrere Probleme:
Gerade in Partner-getriebenen Strukturen ist das kritisch.
Gerade für Anfänger oder Arbeitende mit keiner jahrelangen Berufserfahrung kann es ebenfalls problematisch werden. Weniger Stunden führen automatisch zu weniger Fällen, was letztlich zu einer langsameren beruflichen Weiterentwicklung führt.
Klar ist auch: in Teilzeit ist das Gehalt – je nach Stundenzahl teilweise deutlich – niedriger. In einer bonusgetriebenen Branche führt es dazu auch zu niedrigeren Boni und zu langfristig geringeren Rentenansprüchen.
Neben den Nachteilen für die Angestellten selbst, profitieren auch Arbeitgebende nicht immer von diesem Benefit. Für sie kommt nicht nur der Koordinationsaufwand hinzu, denn Mandant:innen erwarten oft eine schnelle Verfügbarkeit. Etwas, das also in kleineren Kanzleien mit einer hohen Teilzeitquote nicht zu meistern ist.
Teilzeit wird zum Zukunftsmodell, wenn du sie bewusst steuerst und einen modernen Arbeitgebenden wählst. Im Idealfall hast du dazu noch ein klares Ziel vor Augen, in welche Richtung du dich weiterentwickeln möchtest oder ob du dich künftig auf ein Thema spezialisieren willst. Teilzeit ist kein Karriere-Killer – aber ohne Strategie wird sie einer.

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