Ein-Klick-Steuererklärung: ELSTER startet in die Pilotphase

Selbstläufer oder Stolperfalle? Die Steuererklärung für einfache Fälle
Ein-Klick-Steuererklärung: ELSTER startet in die Pilotphase

Automatisiert, mobil, vorausgefüllt: „MeinELSTER+“ führt die digitale Steuererklärung in eine neue Phase – mit neuen Chancen und Aufgaben für die Praxis.

1. Ein-Klick-Steuererklärung startet in der App „MeinELSTER+“

Ab Juli 2026 beginnt die Pilotphase der neuen Ein-Klick-Steuererklärung über die App MeinELSTER+. Damit testet die Finanzverwaltung erstmals ein Verfahren, bei dem die Einkommensteuererklärung auf Basis vorhandener Belegdaten vollautomatisch vorausgefüllt bereitgestellt und nach Prüfung mit einem Klick elektronisch übermittelt werden kann.

Bereits ab dem 31.  März 2026 können sich ausgewählte Steuerpflichtige für die Nutzung freischalten. Die Teilnahme ist auf etwa 11,5 Millionen Personen begrenzt – vor allem ledige, kinderlose Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Bezieherinnen und Bezieher von Renten und Pensionen. Rund 2,5 Millionen Teilnehmende stammen aus Nordrhein-Westfalen, das als größtes Bundesland besonders stark in die Testphase eingebunden ist.

2. Technische Grundlage: Belegabruf, aber weiterentwickelt

Das Konzept baut auf dem bekannten vorausgefüllten Steuererklärungssystem (VaSt) auf. Die Finanzverwaltung zieht dabei Daten aus vorhandenen Quellen – insbesondere

  • Lohnsteuerbescheinigungen,
  • Rentenbezugsmitteilungen,
  • Meldungen zu Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen sowie
  • Stammdaten aus dem ELSTER-Konto.

Neu ist, dass diese Daten nicht nur abrufbar, sondern bereits vollständig verarbeitet und zu einer Deklarationsvorschau mit Steuerberechnung zusammengeführt werden. Die Nutzer sehen eine komplette Einkommensteuererklärung inklusive Berechnungsgrundlagen und können sie – nach Prüfung und ggf. Ergänzung – direkt absenden.

3. Die Rolle von MeinELSTER+

Die App „MeinELSTER+“ erweitert die bisherige Web-Anwendung „MeinELSTER“ um mobile und KI-gestützte Funktionen:

  • Nutzer können Belege scannen (z. B. Handwerkerrechnungen, Spendenquittungen),
  • Beträge werden per Texterkennung (OCR) automatisch übernommen,
  • Dokumente lassen sich im ELSTER-Konto speichern und für künftige Steuerjahre nutzen.

Langfristig zielt das Konzept darauf ab, Standardfälle der Einkommensteuer weitgehend automatisiert zu bearbeiten – ähnlich wie in anderen europäischen Ländern (z. B. Estland oder Dänemark).

4. Fachlicher Ausblick

Für Steuerfachangestellte bedeutet die Neuerung vor allem, dass einfache Fälle zunehmend über automatisierte Prozesse abgewickelt werden können. Beratungsbedarf bleibt jedoch bei Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen oder steuermindernden Wahlrechten bestehen. Hier kann der Berufstand künftig verstärkt prüfend und beratend tätig werden – vor allem bei der Kontrolle der maschinell erstellten Entwürfe und der Erfassung bisher nicht digital übermittelter Daten.

Auch interessant

Die größten Fehler im ersten Jahr in der Steuerberatung und wie du sie vermeidest

Die größten Fehler im ersten Jahr in der Steuerberatung und wie du sie vermeidest

Der Einstieg in die Steuerberatung ist für viele ein echter Reality-Check. Nach Ausbildung oder Studium beginnt ein Job, der fachlich anspruchsvoll ist und gleichzeitig ein hohes Maß an Genauigkeit verlangt. Viele starten motiviert, strukturiert und mit dem Anspruch, alles richtig zu machen. Und genau darin liegt oft das erste Problem.

Mehr lesen
Zukunft Steuerberatung: Warum der Beruf jetzt richtig spannend wird

Zukunft Steuerberatung: Warum der Beruf jetzt richtig spannend wird

Die Studie „Lünendonk-Dossier 2025: Zukunft der Steuerberatung“ macht deutlich: Die Branche steht vor einem tiefgreifenden Wandel – getrieben durch Überalterung, fehlenden Nachwuchs und Digitalisierung. Routineaufgaben wandern in die Cloud, während Beratung und Interpretation immer wichtiger werden.

Mehr lesen
Stefan Werner

AI Learning: Sprechende Skripte, Avatare als Lehrende und Lernen mit Lichtgeschwindigkeit

Dipl.-Finw. (FH) Stefan Werner ist EDV-Fachprüfer in der Steuerverwaltung des Landes Brandenburg mit Schwerpunkt Datenanalyse und Visualisierung. Er arbeitet seit 18 Jahren als Dozent. Algorithmen unterrichtet er dabei schon länger, aber KI ändert alles, wie er sagt. Er gibt einen Einblick in die Möglichkeiten, die Lehrenden und Lernenden dadurch entstehen.

Mehr lesen
AI leuchtet als digitaler Ball in einer virtuellen Netzwerklandschaft

NRW Finanzverwaltung setzt auf KI

NRW.Genius wird in NRW zum eigenen KI-Assistenten der Finanzverwaltung: sicher im Rechenzentrum betrieben, fürs Steuergeheimnis gebaut und künftig mit GovTeuken für smarte Verwaltungsarbeit erweitert.

Mehr lesen
Hitzefrei – Frau genießt den Sonnenuntergang am Meer. Tipps für den Umgang mit hohen Temperaturen im Büro und flexible Arbeitszeiten an heißen Tagen.

36 Grad! Wann gibt es Hitzefrei im Büro?

36 Grad am Arbeitsplatz im Sommer - das ist für viele eine Herausforderung. Gibt es Hitzefrei im Büro? Welche Rechte Arbeitnehmende haben und welche Maßnahmen Arbeitgeber ergreifen müssen, erfahren Sie hier.

Mehr lesen